Die Zinsen sind zurück – was bedeutet das für deine Finanzen?

Die Zinsen sind zurück

Die Zinsen sind zurück und du fragst dich, was das für dich persönlich bedeutet? Die Inflation befindet sich seit Monaten auf Rekordniveau, auch wenn sie im Juni leicht auf 7,6% gesunken ist. Trotzdem ist das immer noch eine sehr hohe Inflationsrate. Um den entgegenzuwirken, hat die Europäische Zentralbank beschlossen, die Zinsen zu erhöhen. Was das ganz konkret für dich im Einzelnen bedeutet, zeigen wir dir im heutigen Blogbeitrag auf.

Der Leitzins als Geldpolitisches Instrument

Um zu verstehen, wieso aktuell die Zinsen steigen müssen wir einen klitzekleinen Ausflug in die Volkswirtschaftslehre machen. Es bleibt aber bei einem überschaubaren Ausflug, versprochen!

Also, mithilfe der Zinspolitik kann die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldmenge im Umlauf steuern. Das tut sie meistens dann, wenn es eine zu große Deflation (=zu wenig Geldmenge im Umlauf) oder eine zu hohe Inflation (= zu viel Geldmenge im Umlauf) gibt. Je größer die Geldmenge, desto höher in der Regel die Inflationsrate, desto niedriger der Wert des Geldes. Und umgekehrt: Wenn weniger Geld am Markt ist, ist diese auch mehr Wert. Das Ganze läuft nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage.

Und wie genau steuert die EZB die Geldmenge? Das kann sie beispielsweise mit Hilfe des Leitzinses tun (als ein Instrument). Der Leitzins ist der Zinssatz den Banken zahlen müssen, um sich von der EZB Geld zu leihen. Ist der Zinssatz gering, kann die Bank sich günstig Geld leihen. Steigt der Zinssatz, wird auch das geliehene Geld teurer. Die günstigen oder teuren Kredite gibt die Bank dann an den Verbraucher (also dich und mich) weiter. 

Im letzten Jahrzehnt haben wir uns in einer Niedrigzinsphase befunden, der Leitzins befand sich nahe Null. Aus diesem Grund hast du fürs Sparen bei der Bank dann kaum Zinsen erhalten. Das heißt, alles was du auf dem Girokonto oder Sparbuch gespart hast, wird sich nicht so einfach vermehren. Vielmehr ist es bedingt durch die Inflation sogar Tag für Tag weniger wert.

Die Zinsen sind zurück – und kosten dich trotzdem Geld!

Doch nun gibt es endlich wieder Zinsen. Heißt das denn auch, dass sich Sparen wieder lohnt? Dafür müssen wir die aktuell erhältlichen Zinsen mit der Inflationsrate vergleichen.

Inzwischen gibt es bis zu 2,05% Zinsen auf einem Festgeldkonto. Bedingung dafür ist, fünf Jahre lang dein Geld dort zu parken. Möglich ist das z.B. bei  PayRay über Weltsparen*. Doch damit solltest du jetzt vorsichtig sein und weder deinen Notgroschen vom Tagesgeldkonto noch Geld aus deinem Depot in ein Festgeldkonto umschichten. Trotz relativ gesehen höherer Zinsen. Denn die Nachteile überwiegen nach wie vor! Ich gebe dir mal ein Rechenbeispiel an die Hand:

Wenn du 5.000 Euro für 2% auf dem Festgeldkonto liegen lässt, hast du nach einem Jahr 5.100 Euro. Im zweiten Jahr bekommst du für die 5.100 Euro wieder 2% Zinsen und es werden daraus dann 5.202 Euro. Bis du schließlich nach 5 Jahren aus deinen 5.000 Euro 5.520,40 Euro gemacht hast. Das klingt ja erst mal super.

Demgegenüber steht aber die Inflationsrate von 7,6%. Das bedeutet, dass deine ursprünglichen 5.000 Euro in 5 Jahren nur noch 3.564,93 Euro wert sind. Natürlich hoffen wir mal, dass es nicht dauerhaft bei einer Inflationsrate von über 7% bleibt. Denn dann hättest du trotz 2% Zinsen auf dem Festgeldkonto immer noch einen Wertverlust von 5%

Deswegen gebe ich dir ein weiteres Rechenbeispiel an die Hand. Das zeigt, dass auch mit sinkender Inflation ein Festgeldkonto für die langfristige Geldanlage nicht die beste Wahl ist. Selbst wenn die Inflation sinken wird (was leider nicht von heute auf morgen passieren wird) Wir gehen dabei erst von einer Inflation von 7% dann von 4% und schließlich von 2% aus.

Die Zinsen sind zurück

Wie du siehst, frisst die Inflation die Zinsen, bzw. können die Zinsen dein Geld auch nicht vor der Inflation schützen. Dafür sind die aktuell angebotenen Zinsen einfach zu niedrig. Auch wenn das Festgeldkonto im Gegensatz zum Girokonto noch etwas besser dasteht, da du noch mehr Geld verloren hättest: Denn da hättest du einen Kaufkraftverlust von 1.000 Euro statt 700 Euro. Ein Festgeldkonto lohnt sich langfristig trotz Zinsen nicht: Die Inflation kann damit weder ausgeglichen werden, erst recht ist dort nahezu keine Rendite möglich. Ein weiterer Nachteil ist eben auch, dass du für die festgelegte Zeit nicht an das Geld drankommst.

Positiv: Für eine mittelfristige Geldanlage kann sich das Festgeld jedoch lohnen (z.B. die Ansparung für Eigenkapital für eine Immobilie in 2 – 5 Jahren) – dafür sind ETFs nämlich wiederum risikoreicher. 

Welche Geldanlage für dich die beste ist, zeigt die das magische Dreieck der Geldanlage. Das hatten wir im letzten Beitrag genauer erklärt und kannst du dir gerne nochmal ansehen.

Was bedeuten steigende Zinsen für meinen Immobilienkredit?

Die Zinsen sind zurück und das hat natürlich auch Auswirkungen auf einen Bau- bzw. Immobilienkredit. Schon seit Jahresanfang sind deswegen Kredite teurer geworden und haben einen ordentlichen Satz nach oben gemacht. Das wird sich laut Experten kurzfristig auch nicht ändern und mittelfristig gesehen werden Zinsen für Immobilien auch weiter steigen, wenn auch nur leicht.

Hier kommt wieder Angebot und Nachfrage ins Spiel: Werden Bau- oder Immobilienkredite teurer, sinkt die Nachfrage und die Preise könnten leicht sinken. Wichtig für dich ist, egal ob du bereits Geld in eine Immobilie investiert hast oder noch planst dein Geld in eine Immobilie zu investieren, an die Anschlussfinanzierung zu denken.

Bei einem Immobilienkredit legst du nämlich die Rahmenbedingungen für eine bestimmte Zeit fest. Danach richtet sich auch der Zinssatz, den du an die Bank zahlst. Je länger die Zinsbindung, desto höher natürlich der Zinssatz. Aktuell sind die Bauzinsen immer noch relativ niedrig, weswegen es empfehlenswert ist die Zinsen langfristig festzuschreiben.

Mit einer Zinsbindung von 15 Jahren hast du ausreichend Zeit zu planen. Ob eine höherer Zinsbindung sinnvoll ist, hängt immer vom Immobilienpreis, deinem aktuellen Einkommen und deinen beruflichen Perspektiven ab. Bei einem Kredit solltest du also immer im Auge behalten, wie lange dieser zu den aktuellen Konditionen laufen wird. Außerdem lohnt es sich über Sondertilgungen nachzudenken. 

 

Und Immobilienpreise?

Ich persönlich denke, dass durch die steigenden Immobilienzinsen auch die Preise in 2 – 3 Jahren sinken könnten. War der Immobilienmarkt nämlich die letzten Jahren auf Grund der niedrigen Finanzierungskosten stärker überhitzt, wird sich das in den kommenden Jahren in manchen Regionen wiederum verändern.

Das Ganze ist natürlich aber auch abhängig von den Bau-Rohstoffen, die aktuell teurer werden, auf Grund von Lieferengpässen durch den Krieg. Sollte sich dies jedoch umkehren und andere ihre Anschlussfinanzierung mit gestiegenen Nebenkosten für z.B. Gas und der Inflation für Nahrungsmittel nicht mehr tragen können, kann sich sicher der ein oder andere Immobilienschnapper mit guter Mietrendite ergeben. 

Ob das in beliebten Großstädten wie München, Hamburg & Co der Fall sein wird, bleibt zu bezweifeln bzw. abzuwarten. Wer vorhat eine Immobilie zu kaufen, dem ist gut geraten auch ein bisschen liquides Cash bei Seite zu haben.

Werden die Strafzinsen nun abgeschafft?

Wer bislang zu viel Geld auf dem Bankkonto liegen gelassen hat, hat Strafzinsen riskiert – teilweise schon ab 10.000 Euro. Doch die Zinsen sind zurück und das bedeutet, dass Strafzinsen gesenkt oder die Freibeträge angehoben werden könnten. Denn die Bedingungen einer Bank sind an den EZB-Zins gekoppelt. Erste Banken haben bereits reagiert, so auch die ING. Diese hat bereits jetzt angekündigt den Freibetrag auf 500.000 Euro zu erhöhen.

Wo sich der Zinseszinseffekt noch so richtig lohnt!

Auch wenn die Abschaffung der Strafzinsen gute Neuigkeiten sind, ist das immer noch kein guter Grund Geld auf dem Konto anzusparen. Wie wir gesehen haben, ist die Inflationsrate einfach weiterhin viel zu hoch für das langfristige Sparen auf festverzinslichen Konten

Für mittelfristige Ansparungen (2 – 5 Jahre) wie ein Studium, Eigenkapital für eine Immobilie & Co ergeben sich durch die gestiegenen Zinsen jedoch ein wenig mehr Perspektiven auf sicheren Anlagen wie das Festgeldkonto.

Die beste Lösung ist daher für langfristige Ziele, für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge, weiterhin dein Geld in Aktien oder ETFs anzulegen. Du kannst dich entscheiden, ob risikoreicher oder risikoärmer investieren möchtest. Beides ist an der Börse möglich!

Risikoreicher bedeutet, dass du chancenorientiert z.B. in Schwellenländer-ETFs investieren kannst. Hier sind auch höhere Renditen möglich. Risikoärmer, mit aber immer noch guten Renditechancen von bis zu 7% sind breitgestreute ETFs.

Wenn du wissen möchtest, was für ein Risikoprofil du hast, wie du ganz konkret deine Finanzen planen und du deinen Vermögensaufbau starten kannst, ist vielleicht unser ETF-Durchstarter Onlinekurs genau das richtige für dich! Ab September geht es wieder los und du kannst dich bereits jetzt schon in die Warteliste eintragen. Dort hast du die Möglichkeit, dass wir uns gemeinsam intensiv mit dem Thema „Investieren in ETFs“ auseinandersetzen und deine konkrete Depot Umsetzung gemeinsam mit Profis angehen.

Fazit

Wie du siehst, ändert sich trotz steigender Zinsen nicht wirklich viel für deine Geldanlage. Es ist immer noch so, dass man das Geld nicht auf dem Konto liegen lassen sollte. Egal ob Giro-, Tagesgeld- oder Festgeldkonto. Für einen soliden Vermögensaufbau sind breitgestreute ETFs und eine langfristige Geldanlage immer noch die beste Lösung. Alles Rund um das Thema ETF kannst du in unseren Onlinekurs lernen! In 4 Wochen kannst du dir aneignen, wie du unkompliziert, anfängerfreundlich und fundiert in ETFs investierst.

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